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Gemeinde Vettweiß

Wenn nichts mehr hilft, dann muss der Arm raus

„Stoppfuß steht, Augen auf, Ohren auf, links, rechts, links“, rufen die Kinder der ersten Klasse der Regenbogenschule in Kelz laut im Chor. Bezirkspolizist Stefan Faßbender schaut stolz auf die Pänz. Die hatte er nämlich zu Beginn des Jahres schon einmal besucht – seiner Zeit noch im Kindergarten enthielt das Vorschulprogramm auch ein Bordsteintraining. Und genau dieses wird jetzt noch mal aufgefrischt, wiederholt und erweitert. „Die Kinder sollten so früh wie möglich Respekt vor dem Straßenverkehr und dem Verhalten an und auf der Straße sowie beim Überqueren lernen. Allerdings dürfen Sie andererseits keine Angst haben,“ betont Faßbender. Das könne nämlich ebenso gefährlich sein. 

Gerade die Erstklässler seien in dieser völlig neuen Situation, bepackt mit einem schweren Schulranzen und vielen neuen Herausforderungen oft überfordert, was aber nicht weniger daran liege, dass die Eltern den Kindern wenig zutrauen und ihnen oft das Gefühl der Eigenverantwortung nehmen, was in den meisten Fällen leider genau das Gegenteil bewirke – nämlich eben, dass die Kinder sich nur noch auf andere verlassen und selbst keine Gefahren einschätzen können, oder aber einfach Angst vor unbekannten Situationen entwickeln.  
Genau diese Unsicherheit beobachtet Faßbender immer mehr bei den Übungen: „Ich sehe sofort, welche Kinder zu selten alleine die Straße überqueren oder sich unsicher an der vielbefahrenen Straße fühlen, da ist dringend Handlungsbedarf nötig und zwar für die Eltern -  in puncto Loslassen“, appelliert der Vettweißer Bezirkspolizist. 

In jeweils zwei Gruppen und mit Unterstützung einer zusätzlichen Aufsichtsperson hält Faßbender eine kurze Einweisung und marschiert dann im Gänsemarsch mit den Kindern die Kelzer Hauptstraße entlang. Und dann darf jedes Kind zunächst zusehen, wie es richtig geht und selbst die Straße überqueren. „Ich muss bis an den Stoppstein gehen, gut in beide Richtungen sehen und auch hören, ob ein Auto kommt“, erklärt die kleine Clarissa (Name wurde geändert) wie ein echter Profi. Und schon stellt sie sich auf und schaut gekonnt nach links, nach rechts und dann wieder nach links. Allerdings muss das Mädchen wohl oder übel stehen bleiben, obwohl schon andere Kinder aus ihrer Klasse zuvor unter Aufsicht von Stefan Faßbender die Fahrbahn überquert hatten und wirklich schon lange warten. 

Kein Auto hält an und der Verkehr nimmt gar kein Ende. LKW gereiht an LKW dazwischen PKW und haufenweise Traktoren brettern durch Kelz. „Der Verkehr ist der Wahnsinn – umso wichtiger ist es, dass die Kinder sicher sind“, spricht sich Faßbender aus. Und nach ein paar Minuten schafft es Clarissa schließlich auch auf die andere Straßenseite zu gelangen. Schnell wird jedoch klar, dass der zeitliche Rahmen bei diesem Verkehr, und so, dass jeder Schüler die gesamte Prozedur ausprobieren darf, gesprengt würde. Also gilt es, das Bordsteintraining zu erweitern. Faßbender: „Schließlich seid ihr jetzt Schulkinder. Da dürft ihr den Arm raushalten und den Autofahrern somit ein Zeichen geben, dass ihr die Straße überqueren wollt – viele kapieren das nämlich offensichtlich nicht, dass sie anhalten oder langsamer fahren sollten, wenn ein Kind am Straßenrand steht.“ Und siehe da, mit Arm raushalten und mehrmaligem Gucken, ob das Auto auch tatsächlich anhält schaffen es schließlich doch alle Kinder in einer angemessenen Zeit, die nicht zum voreiligem Handeln führt, die Straße zu queren. Das Bordsteintraining wird in der kommenden Woche auch in den ersten Klassen der Regenbogenschule in Vettweiß absolviert. 

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